Über Heinrich Verleger

 

Heinrich Verleger wurde am 10. Juli 1914 als Sohn des Gymnasiallehrers Dr. Friedrich Verleger in Gütersloh in Westfalen geboren. Seine Mutter Klara Luise starb schon 1933. Nach der Reifeprüfung 1933 am Staatl. Gymnasium Kleve studierte er an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Prof. Werner Heuer und 1934/35 in der Bühnenbild Klassse bei Prof. Walter Wecus. An den Vereinigten Kunstschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin studierte er bei Prof. Cesar Klein bis zu dessen Entlassung durch die Nationalsozialisten 1937. Daneben besuchte er auch unter anderem das Theaterwissenschaftliche Institut und arbeitete als Bühnenbildanwärter an den Volksbühnen in der Spielzeit 1937/38.

In diesen Jahren unternimmt er zahlreiche Studienreisen. 1933 geht es nach Holland, 1934 nach Ungarn, Jugoslawien und Rumänien. In Hermannstadt zeigt Heinrich Verleger in einer Einzelausstellung Arbeiten, die während dieser Reise entstanden. 1935 folgen Oberitalien, Island und Norwegen 1936. Bei einer Forschungsreise des Geographen Dr. Helmut Verleger nach Island übernimmt er für seinen Bruder die zeichnerische und photographische Dokumentation. Daneben entstehen immer zahlreiche Landschaftsbilder. Noch im gleichen Jahr werden seine Aquarelle von Island in einer Ausstellung in Reykjavik gewürdigt.

Von allen seinen Fahrten brachte er eine Fülle von Bleistiftskizzen, Aquarellen und Gouachen mit nach Hause. Hinzu kamen schriftliche Aufzeichnungen, kurze Schilderungen über persönliche Eindrücke, alltägliche und besondere Erlebnisse und Landschaftsbeschreibungen. Einiges davon wurde später veröffentlicht.

Im Herbst 1938 wird Heinrich Verleger zur Ableistung seiner Wehrpflicht eingezogen. Der bald darauf beginnende Krieg führt ihn nach Polen, Frankreich und Russland. Den Studienurlaub im Winter 1942/43 nutzt er zur Weiterbildung an den Vereinigten Staatsschulen in Berlin. Aus dieser Zeit existieren einige Aussagen zu seinen künstlerischen Vorstellungen, Wege und deren Umsetzungen und Ziele.

Auch während des Krieges sind Zeichenblock und Kamera seine ständigen Begleiter. In den Skizzen  und Photographien, aber auch in seinen Tagebuchnotizen, schildert er seine sehr persönlichen Erlebnisse in dieser Zeit. Immer sind das zunächst die Beobachtungen von Menschen in Alltagssituationen oder der sie umgebenden Landschaft. Der Krieg ist zumeist nicht direkt Gegenstand der Reflexion.

1944 heirateten Heinrich Verleger und die Kunstgeschichtsstudentin Anne Budde. Nach erneutem Fronteinsatz und  Verwundung wurde er im Juni 1945 aus britischer Kriegsgefangenschaft entlassen.
1946 kam die Tochter Angelica auf die Welt.

In den ersten Nachkriegsjahren wohnte die junge Familie in Bielefeld und lebte von Auftragsarbeiten, vornehmlich Portraits, sowie Landschafts- und Städteansichten. Verleger beteiligte sich an Wettbewerben in Zusammenhang mit Projekten für „Kunst am Bau“. So entstanden in dieser Zeit etliche Wandmalereien und Reliefs für öffentliche Gebäude, vor allem im Bielefelder Raum. Daneben nahm er an den wichtigen Gemeinschaftsausstellungen dieser Zeit in Düsseldorf und München teil.

1953 traf der Künstler die Entscheidung, das Studium der Kunsterziehung in Düsseldorf aufzunehmen. Die Familie wohnte im Atelier in Düsseldorf, im noch heute existierende Atelierhaus in der Sittarder Straße.
1955 legte Heinrich Verleger die künstlerische Prüfung für das Lehramt an höheren Schulen ab. Im gleichen Jahr wurde die zweite Tochter Antje geboren. Auch nach Eintritt in den Schuldienst bestritt er Einzelausstellungen und beteiligte sich an regionalen und überregionalen Ausstellungen wie der Winterausstellung in Düsseldorf oder der Großen Münchener Ausstellung.
Seine Malerei verfolgte er in diesen Jahren in Zusammenhang mit seinen Auslandsreisen, vorzugsweise nach Portugal. Die innige Beziehung, die er zu diesem Land und seinen Bewohnern fand, zeigt sich in zahlreichen Bildern, die dort entstanden.

Heinrich Verleger verstand sich als Künstler und Kunsterzieher, mit diesem Vorrang nannte er sich auch „Maler und Kunsterzieher“.

In den Ruhestand trat er 1978 aus Krankheitsgründen. Seine Hoffnung, sich in seiner westfälischen Heimat noch viele Jahre widmen zu können, ging leider nicht in Erfüllung.
Am 1. Juli  1980, kurz vor Vollendung seines 66. Lebensjahres, verstarb er in Bielefeld.

Georg Opdenberg, Krefeld, 2005